Glossar

A

Agenda 21

Die Agenda 21 (Agenda = Tagesordnung) wurde 1992 bei der UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro verabschiedet und ist ein entwicklungs- und umweltpolitisches Aktionsprogramm mit konkreten Handlungsempfehlungen für das 21. Jahrhundert. Sie fordert eine neue Entwicklungs- und Umweltpartnerschaft zwischen den Industriestaaten und den armen Ländern. Wichtige entwicklungspolitische Ziele wie Armutsbekämpfung und nachhaltige Bewirtschaftung der natürlichen Ressourcen Wasser, Boden und Wald sind hier ebenso verankert wie umweltpolitische Ziele, etwa die Reduzierung des Treibhauseffektes. Die Agenda 21 betont, dass auch regierungsunabhängige Organisationen und Einrichtungen an politischen Entscheidungen zu beteiligen sind. Sie definiert Nachhaltigkeit als übergreifendes Ziel der Politik.

Agenda 2030

2015 wurde auf einem UN-Gipfel in New York die "Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung" verabschiedet. Sie hat die Form eines Weltzukunftsvertrags und enthält 17 Entwicklungsziele ("Sustainable Development Goals", SDGs). Die Agenda 2030 ist das erste internationale Abkommen, in dem das Prinzip der Nachhaltigkeit mit der Armutsbekämpfung und der ökonomischen, ökologischen und sozialen Entwicklung verknüpft wird.
Die Agenda soll helfen, allen Menschen weltweit ein Leben in Würde zu ermöglichen. Sie soll Frieden fördern und dazu beitragen, dass alle Menschen in Freiheit und einer intakten Umwelt leben können.

B

Biodiversität

Variabilität innerhalb von Arten (genetische Ebene), zwischen den Arten (organismische Ebene) und die Vielfalt von Lebensgemeinschaften und deren Wechselbeziehungen (ökosystemare Ebene).

C

Cradle to cradle

Prinzip zum verbesserten Umgang mit Ressourcen durch zwei für sich geschlossene kontinuierliche Materialkreisläufe, die bereits bei Neuproduktion gedacht werden. Der biologische Kreislauf beinhaltet die kompostierbaren organischen Stoffe. Der technische Kreislauf beinhaltet "technische Nährstoffe" aus Gebrauchsgütern, die nach ihrer Nutzung noch intakt sind, durch einfache technische oder mechanische Prozesse zurückzugewinnen.

D

Deutscher Nachhaltigkeitskodex (DNK)

Dient Unternehmen und Organsiationen jeder Größe dazu, über die eigenen Nachhaltigkeitsleistungen transparent zu informieren. Dazu geben Unternehmen eine Erklärung zu zwanzig DNK-Kriterien und den ergänzenden nichtfinanziellen Leistungsindikatoren, die aus Global Reporting Initiative (GRI) und European Federation of Financial Analysts Societies (EFFAS) ausgewählt wurden.

E

Earth Overshoot Day

Wird mit Hilfe des ökologischen Fußabdrucks berechnet und gibt den Tag im Jahr an, an dem der globale Ressourcenverbrauch die natürliche Regeneration übersteigt. 2019: 29.Juli; 1987: 19. Dezember (Deutschland 2019: 03. Mai)

Effizienz

Eine Strategie zur Nachhaltigkeit die vorgibt, dass Rohstoffe besser eingesetzt werden. Es wird weniger verbraucht.

Existenzwert

Bezeichnet die Zahlungsbereitschaft von Personen für die bloße Existenz einer natürlichen Ressource (z.B. eine Tierart). Mit dem Existenzwert soll ein Teil der nicht-nutzungsabhängigen Wertschätzung für natürliche Ressourcen erfasst werden.

G

Genpool

Gesamtheit aller Genvarianten (Allele) einer Population oder Art.

Gerechtigkeit

Eine gerechte Verteilung von Ressourcen und Beteiligungsmöglichkeiten für alle und die Bekämpfung von Armut.

Global Reporting Initiative (GRI)

Eine internationale, partizipative Initiative, die einen internationalen Leitfaden zur Erstellung von Nachhaltigkeitsberichten von Unternehmen, Organisationen und  Regierungen erarbeitet. Dabei hat sich GRI das Ziel gesetzt mit seinen Standards für die Berichterstattung weltweit Unternehmen, Organisationen und Regierungen zu helfen, ihren eigenen Einfluss und Wirkung auf kritische Nachhaltigkeitsthemen wie Klimawandel, Menschenrechte, Governance und gesellschaftliches Wohlbefinden zu verstehen und entsprechend zu kommunizieren. Diese Transparenz ermöglicht dann konkretes und zielgerichtetes Handeln um soziale, umweltfreundliche und wirtschaftliche Vorteile für alle zu erzielen. GRI arbeitet mit einem Multi-Stakeholder-Ansatz und bezieht neben Vertretern aus Unternehmen, Regierungen und NGOs eine Vielzahl an Anspruchsgruppen wie beispielsweise Gewerkschaften, Verbände und Vereine, in die Definition der Standards mit ein.

K

Klima

Eine Mittelung des von Tag zu Tag schwankenden Wettergeschehens über einen langen Zeitraum von mindestens 30 Jahren.

Klimaerwärmung

Die Erwärmung des Klimas der Erde aufgrund einer Anreicherung von Klimagasen vorwiegend aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe und der globalen Waldvernichtung (anthropogen beeinflusster Treibhauseffekt).

Klimagase

Gase, die wesentlich zum anthropogenen (menschgemachten) Treibhauseffekt beitragen. Kohlendioxid CO2, Methan CH4, Lachgas (Distickstoffoxid) N2O, Fluorkohlenwasserstoff FKW, Schwefelhexafluorid SF6. Jedes Gas zeigt spezifische Daten zur Verweildauer, Konzentration und Zunahme in der Atmosphäre sowie zur Treibhauswirksamkeit.

Klimaneutral

Wenn etwas "klimaneutral" ist, dann erhöht es die Menge an klimaschädlichen Treibhausgasen in der Erdatmosphäre nicht, sondern es verhält sich "klimaneutral". Neben Produkten und Dienstleistungen können auch Unternehmen und Organsiationen oder sogar der eigene Lebensstil "klimaneutral" sein. Dabei kann man einerseits die jeweiligen Emissionen grundsätzlich direkt reduzieren, z.B. durch den Einsatz erneuerbarer Energien oder ressourcenschonender Rohstoffe, oder alternativ durch den Kauf von Zertifikaten ausgleichen.

Konsistenz

Eine Strategie zur Nachhaltigkeit, die vorgibt so zu produzieren, dass es keine Abfälle, sondern nur Produkte gibt. Ressourcen werden so eingesetzt, dass sie wiederverwertbar sind.

L

Lifestyle of Health and Sustainability (LOHAS)

LOHAS bezeichnet eine Konsumentengruppe, die eine auf gesundheitliches Wohlbefinden und Nachhaltigkeit fokussierte Lebensweise verfolgen und ihren Konsum entsprechend dieser Vorstellungen steuern. Bei der Kaufentscheidung spielen die Aspekte Gesundheit, Umweltbewusstsein sowie sozaile Bedingungen eine entscheidende Rolle. Dabei geht es vorrangig nicht um Verzicht, sondern um einen bewussten, verantwortungsvollen Konsum. 

N

Nachhaltige Entwicklung

Nachhaltig ist eine Entwicklung, wenn sie die Bedürfnisse der heutigen Generation erfüllt, ohne dass dadurch die Fähigkeit künftiger Generationen beeinträchtigt wird, ihre Bedürfnisse zu befriedigen. Nachhaltige Entwicklung bezieht sich gleichwertig auf die drei Bereiche Wirtschaft, Umwelt und Gesellschaft.

Nachhaltige Entwicklung nach Lüneburger Ansatz

Ergänzung des Nachhaltigkeitsbegriffs um die vierte Dimension Kultur.

Nachhaltigkeit

Der Begriff Nachhaltigkeit wird meist zusammen mit Klima- und Umweltschutz genannt und er soll darauf hinweisen, dass alle Produktionen und Projekte auf einen anhaltenden Schutz unserer Umwelt abzielen sollen. Unter Nachhaltigkeit versteht man, dass lebende regenerierbare Ressourcen nur soweit abgebaut und genutzt werden dürfen, dass sie wieder natürlich nachwachsen können. Die Grundidee der Nachhaltigkeit stammt aus dem Jahr 1560. Als damals ein großer Bedarf an Holz entstand, das neben der privaten Nutzung auch vom Bergbau benötigt wurde, hielt die kursächsische Forstordnung schriftlich fest, dass nur so viel Holz aus den Wäldern entnommen werden sollte, wie das Gehölz verkraften könne. 
Den Begriff der Nachhaltigkeit selbst kann man bis auf das Jahr 1732 zurückverfolgen. Ein bedeutender Forstwissenschaftler hat damals ausgeführt, was unter einer nachhaltigen Forstwirtschaft zu verstehen ist, auch wenn er den Begriff als solches nicht nutzte. Grundsätzlich aber war damals schon klar, dass aus dem Wald nur so viele Bäume entnommen werden können, wie natürlicherweise wieder nachwachsen, wenn der Wald nicht komplett abgeholzt werden soll. Sustained yield ist die englische Bezeichnung dafür und so wurde die Nachhaltigkeit international in der Forstwissenschaft bezeichnet und anerkannt. Allerdings dauerte es noch bis zum Jahr 1987, bis sich die englische Bezeichnung auch im Wörterbuch finden ließ. In Deutschland suchte man kurz vorher nach einer Übersetzung für sustainability, denn im Deutschen gibt es nachhaltige Schädigungen ebenso wie nachhaltige Förderungen und man wollte eigentlich einen eindeutigen Begriff finden. Inzwischen ist man dazu übergegangen, den Begriff Nachhaltigkeit immer in Verbindung mit einem eindeutig schaffenden Bezug zu nutzen. 
Nachhaltige Entwicklung oder ökonomische Nachhaltigkeit sind daher häufig genutzte Kombinationen von Begriffen, die das Ziel der Nachhaltigkeit näher umschreiben sollen. Das Konzept der Nachhaltigkeit lässt sich dabei an drei Säulen festmachen. Soziale, ökologische und ökonomische Nachhaltigkeit sind die drei Dimensionen, in die gedacht werden muss. Nachhaltiges Wirtschaften auf allen Ebenen bedeutet, dass kein Raubbau an der Natur betrieben wird und die Gesellschaft nicht über ihre Verhältnisse lebt. Eine gute Organisation auf Staatsebenen muss dafür ebenfalls vorhanden sein, damit Konflikte gelöst werden können und nicht eskalieren. 

Nachhaltigkeitsbericht

Ein Nachhaltigkeitsbericht stellt in regelmäßigen Abständen (alle ein oder zwei Jahre) die Nachhaltigkeitsleistungen von Unternehmen oder Organisationen öffentlich dar und ist Teil der Unternehmenskommunikation. Stakeholder nutzen Nachhaltigkeitsberichte unter anderem, um neben verschiedenen Kennzahlen wie Energieverbräuche, Abfallangaben, CO2-Emissionen, Arbeitssicherheit und Arbeitsstandards auch beschreibende Informationen rund um die Nachhaltigkeitsaktivitäten der jeweiligen Organisation zu erhalten. Es gibt in der Regel keine konkreten Vorgaben für den genauen Inhalt eines Nachhaltigkeitsberichts. Oft orientieren sich die Berichte jedoch an den Standards der Global Reporting Initiative (GRI) oder auch an den Sustainable Development Goals (SDGs) der Vereinten Nationen. Als Kriterium gilt in der Regel die Wesentlichkeit, die ein bestimmtes Thema für die jeweilige Organisation achtet. 

O

Ökoeffektivität

Ökoeffektiv sind Produkte, wenn sie entweder als "biologische Nährstoffe" in biologische Kreisläufe zurückgeführt werden können oder als „technische Nährstoffe“ kontinuierlich in technischen Kreisläufen gehalten werden. Das Prinzip der Ökoeffektivität lautet: Abfall ist Nahrung („waste equals food“)

Ökoeffizienz

Ökoeffizient ist ein Produkt, wenn es mit dem Verbrauch von weniger Ressourcen bessere Ergebnisse erreicht und durch die Verminderung von Schadstoffen die negativen Umweltauswirkungen reduziert werden. Doch aktuell zeigt sich, dass auf diese Art - alles ein wenig besser zu machen und zu versuchen Schlechtes auszugleichen - der Prozess der Umweltverschmutzung und die Verknappung der Rohstoffe zwar verlangsamt, aber niemals gestoppt werden kann.

Ökologischer Fußabdruck

Indikator für den Ressourcenverbrauch und die Auswirkungen (negativen Belastungen) menschlichen Handelns auf die Umwelt. Lebensstile (oft in den Kategorien Ernährung, Wohnen, Mobilität & Konsum) können damit gemessen und verglichen werden. Das Buchhaltungssystem für die Umweltressourcen unserer Erde vergleicht die Angebotsseite (biologische Produktivität der unterschiedlichen Flächen weltweit = Biokapazität der Erde) mit der Nachfrageseite (wie viel Biokapazität die Menschen nutzen). Die Einheit in diesem System ist die biologisch produktive Fläche – dargestellt in der Maßeinheit „globale Hektar“ (gha). Die Menschen nutzen die Natur aktuell 1,75-mal schneller (bildlich werden 1,75 Erden genutzt), als Ökosysteme sich regenerieren können.

Ökologischer Handabdruck

Ein komplementäres Maß positiver Nachhaltigkeitswirkungen von Produkten. Indikator, der ökologische, ökonomische und soziale Nachhaltigkeitswirkungen von Produkten bewertbar, messbar und kommunizierbar macht. Der Handabdruck soll den gesellschaftlichen Mehrwert von Produkten darstellen. Er symbolisiert das gestalterische Management und das gezielte Steuern hin zu einer nachhaltigen Entwicklung. 

Ökosystemleistung

Dienstleistungen und Produkte, die aus der normalen Funktion der Ökosysteme entstehen. Nutzbarkeit der Ökosysteme für den Menschen steht im Fokus und wird in vier Gruppen eingeteilt (unterstützende, bereitstellende, regulierende und kulturelle Dienstleistungen). Für eine nachhaltige Entwicklung müssen diese Leistungen monetär bewertet und ökonomisch berücksichtigt werden.

P

Permanenz

Eine Strategie zur Nachhaltigkeit, die vorgibt auf eine Art zu produzieren, die immer so fortgeführt werden kann, ohne dass die Umwelt großen Schaden nimmt oder die Arbeitskräfte erschöpft werden.

R

Rote Liste

Rote Listen zeigen die momentanen Gefährdungskategorien einheimischer Pflanzen- und Tierarten an. Rote Listen werden anhand international verbindlicher, objektiv nachvollziehbarer Kriterien durch Fachleute erstellt. Sie stellen eine Grundlage für den Naturschutz dar und geben einen Überblick über den Wandel der Artenvielfalt und ihre Gefährdungssituation. Rote Listen sind ein Recheninstrument des Naturschutzes. Bei Eingriffen in die Natur muss auf Rote-Liste-Arten Rücksicht genommen werden.

S

Suffizienz

Eine Strategie zur Nachhaltigkeit die vorgibt, auf etwas zu verzichten. Sie verlangt eine Verhaltensänderung. Es wird weniger verbraucht.

V

Vermächtniswert

Bezeichnet die Zahlungsbereitschaft von Personen dafür, dass eine bestimmte natürliche Ressource mit Sicherheit für künftige Generationen erhalten wird. Mit dem Vermächtniswert wird ein Teil der nicht-nutzungsabhängigen Nutzen natürlicher Ressourcen erfasst. 

W

Wertschöpfungskette

Die Wertschöpfungskette stellt die Stufen der Produktion als eine geordnete Reihung von Tätigkeiten dar. Diese Tätigkeiten schaffen Werte, verbrauchen Ressourcen und sind in Prozessen miteinander verbunden.